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[Erfolg am Mont Blanc]

Mont Blanc mit Bosses Grant

Ziel dieser Tour in der letzen Juliwoche 2006 war die Besteigung des Mont Blanc (4810m). Um dieses Ziel zu erreichen sollte, mit Glück beim Wetter, eine optimale und bestmögliche Akklimatisation im Fordergrund stehen (im letzten Jahr war ein Besteigungsversuch seitens Gregor und Ken gescheitert). Trotz großer Freude auf die Tour war auch ein wenig Aufregung zu spüren und die Erwartungen waren natürlich hoch. Als Vorbereitung für die Besteigung des höchsten Gipfels der Alpen standen die Besteigung des Mont Velan (3731m) und die des Grand Combin (4314m) in den Schweizer Westalpen als geplante Ziele auf unserem Programm.

Wir, Jürgen, Gregor und Ken haben bereits im Februar diesen Jahres eine Eiskletterwoche mit viel Spaß erlebt und freuten uns auf eine zweite lustige und spannende gemeinsame Woche. Als wir uns am 23.07.2006 am Nachmittag in Bourg St Pierre trafen, hatten Gregor und Ken bereits vier Nächte auf ungefähr 3000 Meter geschlafen, um sich selbstständig zu akklimatisieren und sich die Zeit mit Wandern und Klettern vertrieben. Wie sich herausstellen sollte, hat diese Vorbereitung ein nahezu problemloses Gelingen unserer Tour sehr gefördert.

Bereits der Aufstieg zur Velan Hütte (2642m) durch ein sehr schönes und grünes Tal zeigte, dass wir ein ordentliches Tempo an den Tag legen und trotzdem die Landschaft genießen konnten. Auf dem Weg konnten wir dann schon den Gipfel des für Montag geplanten Mont Velan bestaunen.

Wir staunten nicht schlecht, als wir die Velan Hütte sahen. Aus der Ferne wirkt die futuristische Hütte wie ein riesiges fünfstöckiges Gebäude. Als wir dann aber näher kamen, wurde uns klar, dass das aber dann doch an den sehr kleinen Fenstern liegt. In Wirklichkeit ist so doch recht eng. Mit uns auf der Hütte war noch eine neunköpfige Gruppe vom DAV Summit Club, die die gleiche Tour machen wollte wie wir. Ansonsten war auf der Hütte angenehm wenig los und wir hatten ein ganzes Zimmer für uns drei allein.

Am Montag ging es dann um halb fünf Richtung Mont Velan, den wir über den Grat der Aiguille du Velan besteigen wollten. Wie bereits die ganzen letzten Wochen war das Wetter super. Keine Wolken und sehr warm. Vorausgesagt war, dass es zwar nachmittags gewittern sollte, aber das sich das Hochdruckgebiet die ganze Woche halten würde. Allerdings bestand durch das wochenlang anhaltende warme Wetter dementsprechend eine erhöhte Spalten- und Steinschlaggefahr, ähnlich wie im Rekordsommer 2003.

Wir querten zunächst den Tseudet Gletscher hinter der Velan Hütte. Nach ungefähr einer Stunde leichtem bergauf erreichten wir den Einstieg zum Grat, als die Sonne diesen schon fast ganz beleuchtete. Die ersten 50 Meter folgten wir dem Steig und dann ging es auf den Grat in Richtung Gipfel. Der ganze Grat ist Genusskletterei im II. Grad, allerdings ist der Fels sehr brüchig und man musste aufpassen, wo man sich fest hielt. Nach dem wir den Grat bis oben geklettert waren, zogen wir unsere Steigeisen an und marschierten die letzen 200 Höhenmeter über ein breites Schneefeld und über einen kurzen Firn zum Gipfel. Den Gipfel erreichten wir gegen 9.30 Uhr. Das Wetter und die Sicht waren super. Im Südwesten konnten wir den Mont Blanc bestaunen, dessen Gipfel dann doch noch ein ganzes Stück höher war als wir. Zur anderen Seite konnten wir das imposante Aufsteigen von Quellwolken beobachten. Die Höhe machte uns allen gar nichts aus und so konnten wir in Ruhe den Gipfel genießen.

Gut gelaunt machten wir uns dann gegen 10.30 Uhr auf den Rückweg über den Gletscher zum Grat. Wir wollten auch über den Grat abklettern und wegen hoher Spaltengefahr nicht dem Normalweg über den Valsorey Gletscher folgen. Jürgen vorweg, gefolgt von Gregor und Ken. Ungefähr 30 Meter vor dem Erreichen des Grates musste noch eine sich nach oben verjüngende Gletscherspalte überwunden werden. Die Schneebrücke hielt zwar noch Jürgen stand, bei Gregor brach sie aber ein und er verschwand ungefähr drei Meter in der Spalte. Nach einem kurzen Schreck stellen wir erleichtert fest, dass ihm nichts passiert war und 25 Minuten später hatten wir unseren Gregor ans Tageslicht zurückgeholt. Außer ein paar Schrammen, kalten Händen und einem ordentlichen Schrecken ging es ihm gut und wir konnten weiter. Verlust: Ein Treckingstock. Dieser Vorfall zeigte uns, wie schnell die hohen Temperaturen bereits früh den Schnee aufweichen. Der Abstieg über den Grat zog sich dann doch ziemlich hin, so dass wir erst nach insgesamt 10 Stunden kaputt, aber gut gelaunt zurück an der Velan Hütte waren.

Den zweiten Tag wechselten wir ohne Zeitdruck in guten zwei Stunden von der Velan Hütte zur Valsorey Hütte (3030m). Von dort konnten wir noch den tollen Blick auf den Mont Velan mit seine langen Valsorey Gletscher um den zackigen Grat der Aiguille du Velan genießen, bis die Hütte und auch der Grand Combin (4314) direkt über uns in Wolken eingehüllt wurde. Um drei Uhr begann ein Gewitter. Der Regen hielt bis in den späten Abend an und die sich so ansammelte feuchtwarme Luft ließ ein frühes Gewitter am dritten Tag immer wahrscheinlicher werden. Nur wann?

Um kurz vor 3.30 Uhr brachen wir zusammen mit rund 30 weiteren Bergsteigern zum Grat des Grand Combin auf. Zunächst folgten wir den Steinmännchen in Richtung Meitin Gletscher. Auf Schutt und Eis ging es dann mit Steigeisen zum Grat. Wir brauchten ungefähr zwei Stunden, um den Einstieg zum Grat zu erreichen. Dort wurde es dann langsam hell und es sah bereits so aus, als würden sich die Wolken aus der Nacht nicht vollständig verziehen.

Die Kletterei am Grat ähnelte der am Grat des Mont Velan. Der größte Teil war Klettern im II. Grad. Es gab ein paar Stellen im III. Grad, die aber allesamt ausreichende Sicherungsmöglichkeiten boten und uns das Klettern sehr viel Spaß machte. Allerdings nahmen diese Stellen auch einige Zeit in Anspruch.

Am Mont Velan Mont Maudit

Ungefähr 200 Meter unter dem Gipfel des Grand Combin de Valsorey (4184m) entschieden wir uns dann für einen Abbruch unserer Tour, weil sich die Wolken nicht verziehen wollten und es danach aussah, als würde es früher als erwartet gewittern. Die Chancen mit allen anderen Bergsteigern am Gipfel oder beim Abstieg über den Grat, bei dem es an mehreren Schlüsselstellen mit Sicherheit zum Stau kommen würde, in ein Gewitter zu kommen waren fünfzig zu fünfzig. Wir kehrten deshalb um. Obwohl die anderen Gruppen ihre Besteigung fortsetzten zweifelte keiner von uns daran, dass es richtig ist jetzt abzusteigen. Unser Ziel war eine genussvolle Bergtour, bei der sowohl der Aufstieg als auch der Abstieg Spaß machen sollte. Wir hatten nicht das Ziel später sagen zu können: "Puh, dass war aber knapp!" Wir hatten keinen Erfolgsdruck und konnten so das objektive Risiko des plötzlich auftretenden Wetters minimieren. Nicht jedoch das Risiko des Steinschlags. Auf dem Rückweg zum Gletscher Richtung Valsorey Hütte kamen wir in einen heftigen Steinschlag. Nach vielen faustgroßen Geschossen flogen uns etliche melonengroße Steine um die Ohren. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber wir haben uns ganz schön erschrocken. Ab dann ging aber alles reibungslos weiter. Wir erreichten schnell die Valsorey Hütte, wo wir unsere Sachen packten und sofort Richtung Bourg St. Pierre marschierten.

Nach einem straffen Abstieg nach Bourg St. Pierre, bei dem wir mit bis zu 2400 Höhenmeter in der Minute geradezu hinunter rannten, waren wir bereits gegen 14.00 Uhr in Chamonix am Fuße des Mont Blanc. Geplant war, eine Nacht in Chamonix zu bleiben und dann am Freitag von der Gouter Hütte (3817m), der Cosmiques Hütte (3613m) oder gar von der Tete Rousse Hütte (3167m), ein Versuch des Gipfels des Mont Blanc zu unternehmen. Die Entscheidung lag, neben der Frage ob das Wetter mitspielen würde, insbesondere an der Verfügbarkeit von Schlafplätzen in den Hütten. Nach einigen Telefonaten von Jürgen stand dann überraschenderweise folgendes fest: Am Freitag sollte das Wetter schlecht sein und keinen Aufstieg zulassen, womit der Wetterbericht recht behalten sollte, und die Hütten waren alle voll. Die einzige Möglichkeit war, noch heute zur Cosmiques Hütte zu steigen und bereits morgen, Donnerstag, den Mont Blanc zu überschreiten, mit einem Abstieg über die Gouter Hütte.

Also ging es dann nach einem schnellen Einkauf ein wenig überrascht und kaputt zur Cosmiques Hütte, die wir gegen 19.00 erreichten. Nicht nach Plan, aber reibungslos! Und unsere lustige und gute Stimmung hätte uns sowieso nichts und niemand austreiben können.

In der Ferne grollte ein Gewitter während wir aßen. Hin wieder ließen die Wolken aber einen fantastischen Blick auf das Col de Aiguille de Midi (3532m), den Mont Blanc de Tacul (4248m) und in Richtung Gipfel des Mont Blanc zu. Recht geschafft vom Tag und ein wenig aufgeregt waren wir dann um 20.30 alle im Lager verschwunden.

Um 1.00 Uhr standen wir auf (das einzige mal wo wir Jürgen wecken mussten) und um 1.45 brachen wir in Richtung Col de Aiguille de Midi auf. Im Dunkeln konnten wir vor uns eine Lichterkette beobachten, die sich die steile Flanke zum Mont Blanc du Tacul rauf schlängelte. Und unter uns in Chamonix brannten noch viele Lichter. Ein herrlicher Anblick. Nach den ersten 600 Höhenmetern ging es dann kurz unter dem Plateau vom Mont Blanc du Tacul rechts an der Flanke entlang in Richtung Mont Maudit (4465m). Von dort ging es zunächst ein wenig bergab bis dann das zweite steile Stück in Richtung Mont Maudit begann. Als wir das Col de Mont Maudit (4354m) erreichten, begann sich der Horizont zu erhellen und wir konnten bereits die ersten wunderschönen Blicke in Richtung Matterhorn genießen. Uns allen ging es gut.

Kalt wurde uns dann aber kurz unter dem Brenva Col (4303m). Hier kam es zum Stau. An dieser Stelle musste eine ungefähr 30 Meter Höhe Eisrinne hochgeklettert werden. Trotz Fixseil, brauchten die Gruppen vor uns viel Zeit, so dass wir eine halbe Stunde warten mussten, bis wir endlich hinauf konnten. Ein wenig ausgekühlt ging es dann in Richtung Rocher Rouges (4506m). Dort machten wir gegen 6.15 Uhr eine Pause, um was zu essen. In erster Linie machten wir aber jede Menge Fotos. Die Morgensonne präsentierte die Alpen hinter uns und den Gipfel vor uns in fantastischen Farben.

Sonnenaufgang am Col de la Brenva Auf dem Dome du Gouter Couloir spaltensturz

Wir hatten also noch 300 Höhenmeter vor uns. Die Luft wurde zwar dünner, aber wir wussten, dass wir es schaffen würden. Und um 7.45 Uhr erreichten wir dann den höchsten Gipfel der Alpen. Alle mit ein wenig Kopfweh, aber sehr glücklich. Tolles Gefühl ist das. Aber nach einer viertel Stunde wurde uns auch schon kalt und wir machten uns auf den Rückweg. Der Bossegrat war super gespurt und wir kamen gut voran. Vorbei am Valot Biwak machten wir dann noch mal eine Pause im Col de Dome (4237m).

Das Erreichen des Gipfels hat uns allen viel Auftrieb gegeben und wir waren bei bester Laune. An der Gouter Hütte zogen wir dann die Steigeisen aus und machten uns in Richtung Zahnradbahn nach Les Houches auf. Hier mussten wir noch durch das besonders Steinschlag gefährdete Couloir unterhalb der Gouter Hütte. Hier hatte es auch dieses Jahr wieder viele Unfälle gegeben. Ein wenig aufgeregt, nach unserer Erfahrung am Grand Combin, querten wir dann rennend das ca. 50 Meter breite Couloir. Danach machten wir unsere letzte kleine Pause und alles fiel doch ein wenig Anspannung ab. Der Abstieg zur Zahnradbahn zog sich dann zwar noch ganz schön hin (zumindest wollten hatten die Beine dann doch genug), aber um 13.45, zwölf Stunden nach unserem Start und nach insgesamt ungefähr 4000 Höhenmetern, erreichten wir die Bahn nach Les Houches (2373m).

Mur de la Cote gipfelnäher Gipfel Absteigende Gruppe

Das erste Bier mit einer Mont Blanc Überschreitung im Gepäck hat so unglaublich lecker geschmeckt, dass wir gleich noch eins getrunken haben. Von Les Houches ging es dann per Bus nach Chamonix, ins Hotel el Paso. Da freuten wir uns dann auch schon sehr auf die erste Dusche nach 5 Tagen. Der Abend verlief dann trotz großer Zufriedenheit doch recht kurz. Nach einigen weiteren Bieren auf den Gipfel lagen wir kaputt, aber glücklich im Bett.

Als Fazit zu unserer Tour lässt sich zunächst mal sagen, dass, neben unglaublichem Glück mit dem Wetter, unsere Flexibilität und unsere gute Vorbereitung dieses nahezu problemlose Gelingen der Tour ermöglicht hat, was zusätzlich durch die gute Stimmung in unserer Gruppe noch bestärkt wurde. Wir haben durch eine unkomplizierte Art und durch Spontanität einen der besten Tage für einen Mont Blanc Versuch erwischt. Am geplanten Freitag war der Berg in dunklen Wolken verhangen. Die gute Akklimatisierung hat dann diese flotte und genussvolle Überschreitung sehr erleichtert. Für diese tolle Woche möchten wir uns nochmals ganz rechtherzlich bei Jürgen bedanken. Das war sicher nicht unsere letzte gemeinsame Tour. Wir freuen uns schon auf die nächsten gemeinsamen Ziele, die wir mit ebenso viel Begeisterung und guter Laune angehen werden.

provence

Ken Harttgen



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